Malschule meine Art, Speyer
Malschule meine Art, Speyer   

Vernissage Künstlerhaus Speyer,

9. November 2018

Fotos von Kurt Keller  und Andreas Stephan

SPEYER

POSTGALERIE - SECHS KÜNSTLER STELLEN IHRE WERKE IN LEEREM GESCHÄFT AUS / TIERE SIND AUF VIELEN DARSTELLUNGEN ZU SEHEN / ZWISCHEN INTELLEKTUELLER TIEFE UND BODENSTÄNDIGKEIT

Springendes Pferd und bunte Parallelwelten

19. Februar 2019 Autor: Nikolaus Meyer (mey)

Der Künstler Rheinhard Ader hat für sein Bild „Zwischen Ost und West“ eine ungewöhnliche Perspektive gewählt. Gemeinsam mit fünf weiteren Malern stellt er in der Postgalerie einige seiner Werke aus.

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19.2.2019 Springendes Pferd und bunte Parallelwelten - Schwetzinger Zeitung / Hockenheimer Zeitung

© Venus

SPEYER. Im Shopping-Center Postgalerie wird jetzt auch Kunst gezeigt. Zwar hat sich das Einkaufscenter am Postplatz nicht in einen Musentempel verwandelt, aber die zunächst auf sechs Monate ausgelegte Werkschau stellt eine absolute Bereicherung dar. Dafür verantwortlich zeichnen sechs Künstler, die sich nach einer Anfrage von Centermanagerin Mariya Neufeld in der eigens für diesen Zweck gegründeten Gruppe „Kunst-Punkt“ zusammengeschlossen haben.

Die Namen der Kunstschaffenden, denen Neufeld einen leerstehenden Geschäftsraum mit einer Grundfläche von circa 220 Quadratmetern zur Verfügung stellte, ermöglichen Rückschlüsse auf die Qualität der Präsentation. Bei Christine Weinmüller, Magdalena Hochgesang, Margarete Stern, Reinhard Ader, Susanne Lorenz und Thomas Mann handelt es sich ausnahmslos um Künstler, die teilweise über internationale Erfahrung verfügen und in der Region einen guten Ruf genießen.

Bestätigt wurde diese Einschätzung durch eine hervorragende Resonanz bei der musikalisch von der Band „Cosmic Cowboy and Guests“ umrahmten Eröffnung am vergangenen Samstag. Zu den Besuchern, die gespannt waren, was sie wohl im Shopping-Center erwartet, zählten auch Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler, Galerieleiter Franz Dudenhöffer und Kunstvereinsvorsitzender Klaus Fresenius. Wie bei sechs Künstlern nicht anders zu erwarten, wurde ihnen eine Vielfalt an Ausdrucksformen geboten. Gar von einem respektablen Forum der Sinnesfreuden sprach Mitorganisator Reinhard Ader, den viele Kunstfreunde als Vorsitzenden des Künstlerbundes Speyer kennen.

Alle Künstler sind mit mehreren Werken vertreten. Wenn die unter Berücksichtigung moderner Komponenten in altmeisterlicher Manier malende Christine Weinmüller von „der Magie des Gegenstandes“ spricht, dann ist der innere Fokus ihrer Bildwelt oft auf Tiere gerichtet, die dem Betrachter auch schon mal als Opfer begegnen. Kombinationen von Mensch und Tier, Frauenakte und Porträts als Charakterstudien vervollständigen ihren Beitrag.

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19.2.2019 Springendes Pferd und bunte Parallelwelten - Schwetzinger Zeitung / Hockenheimer Zeitung

Emotionale Ölgemälde

Magdalena Hochgesang liebt es zwar, „Menschenbilder“ zu malen, sie lässt der Kombination Mensch und Tier jedoch ebenfalls einen gewissen Spielraum. Besondere Aufmerksamkeit erregen emotionale Ölgemälde wie das der Göttin Lilith, die mit ihren roten Flügeln an einen gefallenen Engel erinnert. Aus dem Raster fällt die Arbeit „Core“, auf der, vom inneren Kern explosionsartig auseinandertriftend, Menschenleiber wild durcheinanderwirbeln.

Kräftige Farben dominieren die intuitiv entstandenen Arbeiten von Susanne Lorenz, die unter anderem abstrakte Landschaften zeigt. Dass Parallelwelten mit individuell gestalteten Wesen bei ihr eine wichtige Rolle spielen, lässt sich auch an ihrem großformatigen Werk „Tiere im Wald“ nachvollziehen, auf dem sie Fauna und Flora in Form eines abstrakten Baumbestandes mit gegenständlich dargestellten Vögeln verbindet.

Einen anderen Ansatz pflegt der Grafikdesigner Thomas Mann. In seinen kleinformatigen, in Tusche-Mischtechnik entstandenen Arbeiten lässt sich seine Begeisterung für die lediglich von 1948 bis 1951 existierende Künstlergruppe „CoBrA“ nachvollziehen. Deren Abkehr von überlieferten Ästhetik-Vorstellungen kommt bei Mann in sehenswerten Arbeiten mit symbolhaften Tierdarstellungen zum Ausdruck, deren Formensprache eindeutig vom Kubismus beeinflusst ist.

Margarete Stern reflektiert in ihren vorwiegend figurativen Acrylgemälden die heutige Zeit. Sie beschäftigt sich mit der Isoliertheit von Menschen, Räumen und Situationen. Für das Gefühl des Alleinseins oder Ausgeliefertsein sind die Werke „Schlafende“, „Agitation“ oder „Zeitgeist“ gute Beispiele. Besonders ausdrucksstark wirkt die Porträtstudie „Abschied“, die eine sichtlich verzweifelte Frau zeigt, deren Physiognomie im Zentrum des Bildes durch seitliche Schatten zusätzlich verstärkt wird.

Reinhard Ader liebt das Wechselspiel zwischen intellektuellem Tiefgang und bodenständiger Formensprache. Was nicht ausschließt, dass er

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19.2.2019 Springendes Pferd und bunte Parallelwelten - Schwetzinger Zeitung / Hockenheimer Zeitung

Räumlichkeiten in ungewohnter Perspektive dargestellt. Für die intensive Zwiesprache zwischen Bild und Betrachter bieten Gemälde wie „Zwischen Ost und West“ reichlich Gelegenheit. Die Dynamik eines springenden Pferdes vor einer gewaltigen winterlichen Bergkulisse wird durch die ungewohnte Perspektive enorm verstärkt.

© Schwetzinger Zeitung, Dienstag, 19.02.2019

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